drei Frauen am Grab

Ostermeditation
Ihr drei Frauen am leeren Grab.
Ihr hattet euch aufgemacht. Ein letzter Liebesdienst. So wie es Brauch ist.
Am frühen Morgen. Nach dem Sabbat.
Mit wohlriechenden Ölen in der Hand.
Den toten Gesalbten zu salben.
Den Freund, den Messias, von Gott gesandt.
Ihr wart unterwegs. Mit schweren Herzen. Mühlsteinschwer.
Der Freund war umgebracht worden.
Gefoltert, getötet. Und schnell ins Grab gelegt.
Ein Stein davor. Ein großer Stein.
Und dann war er weg. Der Leichnam auch.
Stattdessen zwei Männer im weißen Gewand. Engel vermutlich.
Und ihr standet da.
Mit den Ölen in der Hand. Entsetzt, unter Schock.
Da half es auch nicht, als sie sagten: „Entsetzt euch nicht. Jesus ist
auferstanden.“ Die haben leicht Reden!
Zuerst kam das Zittern. Und dann kam das Rennen. Weg vom leeren
Grab. Und erst mal nichts sagen. Wer sollte denn so was schon glauben?
Erst später dann habt ihr Worte gefunden.
Da hat sich etwas gelöst. Freude kam. Und Jubel dazu.
Und was habt ihr dann mit den Ölen gemacht?
Es müssen verschiedene Fläschchen gewesen sein. Mit schönen Düften.
Sorgfältig bereitet. Sie sollten dem Tod den Gestank nehmen. Schließlich
lag Jesus schon zwei Tage im Grab.
Und jetzt braucht ihr die Öle nicht mehr?
Ich frage mich das, bin hängen geblieben an diesem Gedanken.
Auch wenn er nicht wichtig erscheint. Auf den ersten Blick jedenfalls.
Ich stelle mir vor: Wie ihr mich lachend anseht. Ihr beiden Marias und
Johanna. Und wie ihr mir sagt:
„Die Welt ist eine andere geworden, an jenem Morgen.
Das haben wir gesehen. Liebe kann siegen. Das Leben kann siegen.
Ohne Gewalt. Eine Zeitenwende ist das. Für uns jedenfalls.
Denn das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn immer alles
so bliebe, wie es ist. Wenn Krieg und Bosheit sich frech ausbreiten.
Nein: Wir stehen auf. Und mit uns die Hoffnung.“
„Und die Öle?“, frage ich.
„Balsam für die Seele“, sagen die Frauen.
So stell ich‘s mir vor. Wohlgeruch für die Lebenden.
„Wir verschenken sie!“, ruft ihr mir zu:
An die Mutlosen, denen die Welt aus den Fugen gerät.
An die Mutigen, die sich gegen Gewalt und Zerstörung einsetzen.
An die neugeborenen Kinder in den Kriegsgebieten.
An die jungen Leute im Kampf gegen die Luftverpester.
„Der Schreck war groß am leeren Grab. Aber die Öle haben wir nicht
fallen gelassen. Jeder und jedem von Euch schenken wir den Duft der
Hoffnung. Balsam für die Seele in dunklen Stunden. Auf das das Licht neu
leuchtet.“
Ein Liebesdienst – so denke ich mir.
Ich bin bewegt und nehme an … und gebe an Euch weiter.
Denn Christus ist auferstanden. Und mit ihm lebt Frieden in der Welt.

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