freut euch des Lebens

Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose, Eh sie verblüht!
Man schafft so gerne sich Sorg und Müh, sucht Dornen auf und findet sie
Und lässt das Veilchen unbemerkt, Das uns am Wege blüht.
Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt und laut der Donner ob uns brüllt,
So scheint am Abend, nach dem Sturm, die Sonne, ach! so schön.
Wer Neid und Missgunst sorgsam flieht Genügsamkeit im Gärtchen zieht,
Dem schießt sie bald zum Bäumchen auf, das goldne Früchte bringt.
Wer Redlichkeit und Treue übt und gern dem ärmeren Bruder gibt,
Da siedelt sich Zufriedenheit so gern bei ihm an.
Und wenn der Pfad sich furchtbar engt und Missgeschick uns plagt und drängt,
So reicht die holde Freundschaft stets dem Redlichen die Hand.
Sie trocknet ihm die Tränen ab und streut ihm Blumen bis ins Grab;
Sie wandelt Nacht in Dämmerung, und Dämmerung in Licht.
Sie ist des Lebens schönstes Band: Schlagt, Brüder, traulich Hand in Hand,
So wallt man froh, so wallt man leicht ins bess're Vaterland.
Freut euch des Lebens, Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose, eh sie verblüht!

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