Vom Geben
Ein reicher Mann sagte: Sprich uns vom Geben. Und er antwortete: Ihr gebt nur wenig, wenn ihr von eurem Besitz gebt. Erst wenn ihr von euch selber gebt, gebt ihr wahrhaft. Denn was ist euer Besitz anders als etwas, das ihr bewahrt und bewacht aus Angst, dass ihr es morgen brauchen könntet? Und morgen, was wird das Morgen dem übervorsichtigen Hund bringen, der Knochen im spurlosen Sand vergräbt, wenn er den Pilgern zur heiligen Stadt folgt? Und was ist die Angst vor der Not anderes als Not? Ist nicht Angst vor Durst, wenn der Brunnen voll ist, der Durst, der unlöschbar ist? Es gibt jene, die von dem Vielen, das sie haben, wenig geben – und sie geben um der Anerkennung willen, und ihr verborgener Wunsch verdirbt ihre Gaben. Und es gibt jene, die wenig haben und alles geben. Das sind die, die an das Leben und die Fülle des Lebens glauben, und ihr Beutel ist nie leer. Es gibt jene, die mit Freude geben, und die Freude ist ihr Lohn. Und es gibt jene, die mit Schmerzen geben, und der Schmerz ist ihre Taufe. Und es gibt jene, die geben und keinen Schmerz beim Geben kennen: weder suchen sie Freude dabei, noch geben sie um der Tugend willen; Sie geben, wie im Tal dort drüben die Myrte ihren Duft verströmt. Durch ihre Hände spricht Gott, und aus ihren Augen lächelt Er auf die Erde. Es ist gut zu geben, wenn man gebeten wird, aber besser ist es, wenn man ungebeten gibt, aus Verständnis.
(Khalil Gibran)
Allerheiligen
Liebe Leserin, lieber Leser!
Der November hat begonnen. Wir begehen und feiern – Allerheiligen und Allerseelen – Tage dankbarer Erinnerung an wertvolle Menschen, die uns vorangegangen sind, denen wir viel zu verdanken haben, an die wir uns gerne erinnern. Die Liebe lebt weiter. „Liebe kann man nicht begraben!“ Sie ist ein kostbares Band, das bleibt. Gott schenkt und verheißt uns für alle Zeit Heil, Leben, Liebe – alles in Fülle. Herzliche Grüße, Aloys
Auferstehung Jesu
Die Sprengkraft der Liebe Gottes vermag Unmögliches:
Sie setzt den Tod matt. Sie sprengt das Grab.
Darin hält Gott eine Zukunft für uns bereit,
die all unser Denken, Bitten und Verstehen übersteigt.
Alles zielt nur auf das Eine:
dass unsere Seele sich aufschließt für Christus.
(Ole Hallesby)
Himmlischer Vater, in unserer Trauer wenden wir uns an dich.
Du bist nahe den Trauernden und schenkst Trost.
Gib uns deinen Frieden, mutige Schritte auf dem Weg der Trauer,
und die Gewissheit, dass Du das Leben in Liebe erneuerst.
Herr, erinnere uns an die Hoffnung der Auferstehung.
Lass dein Licht in unsere Dunkelheit fallen und sie erhellen.
Stärke unseren Glauben, dass Tod nicht das letzte Wort hat,
sondern dass das Leben in dir unvergänglich bleibt.
Jesus Christus hat den Tod besiegt hat.
Wir loben und preisen dich. Amen.
Was Gott für mich ist
ER ist die Hand auf meiner Schulter.
ER ist der große Bruder, der neben mir geht,
ER ist mein unsichtbarer Wegbegleiter,
ER ist die Hand, die mich führt.
ER ist die Stärke in meiner Schwäche,
ER ist mein Halt in der Leere,
ER ist ein Freund, der mich nicht verlässt,
ER ist mein Sein im Nichtssein dieser Welt,
ER ist meine Stille im Lärm der Zeit,
ER ist Schutz in Gefahren,
ER ist Trost in meiner Trauer,
ER ist immer da, wenn ich IHN brauche,
ER ist die Wärme in der Kälte,
ER ist Hoffnung in der Mutlosigkeit,
ER ist der Ratgeber, wenn ich nicht weiter weiß,
ER ist Nähe in einsamen Stunden,
ER ist Balsam in meinen Wunden,
ER ist mein Vater, der mich unendlich liebt.
ER ist mein Alles - ohne IHN geht gar nichts!
(Sylke-Maria Pohl)
Auferstehung ist unser Glaube.
Wiedersehen unsere Hoffnung.
Gedenken unsere Liebe.
Mit unseren lieben Verstorbenen sind wir eng verbunden. Tod und Trauer sehen wir im Licht der Frohen Botschaft Jesu Christi. Jesus sagte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ (Joh 11,25) Der Besuch am Grab macht deutlich: Wir bezeugen unsere Verbundenheit mit den Verstorbenen. Wir erinnern uns an die Vergänglichkeit des Lebens. Wir bekennen uns zur Hoffnung auf die Auferstehung.
ich immer Mehr Frieden
„Herr, gib uns deinen Frieden!“
Ich hoffe, dass ich immer mehr
zu einem Menschen werde,
dessen Leben andere ermutigt,
bunt und erfüllt zu leben.
Ich hoffe, dass mir anzumerken ist,
dass die Liebe lebbar ist,
auch in einer Welt der Gewalt.
Ich weiß, wie sehr ich selbst
nach Menschen suche,
an denen ich ablesen kann,
was es heißt, wirklich lebendig zu sein.
Ich hoffe sehr, sie zu finden.
(U. Schaffer)
Zu sein, was wir sind
und zu werden was wir werden können,
ist unsere Berufung im Leben.
(Robert Louis Stevenson)
Dein Name sei dein Leben, drum ward er dir gegeben.
Er leite als ein Segen dein ganzes Erdenleben.
Sei besorgt um deinen Namen,
denn er begleitet dich treuer,
als tausend kostbare Schätze.
Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.
(P. Alfred Dselp SJ)
Wie eine Seiltänzerin den schmalen Grat des Lebens gehen.
Wie ein Goldgräber den Schatz in der Tiefe entdecken.
Wie eine Wellenreiterin der tragenden Kraft des Wassers trauen.
Wie ein Jongleur die Bälle des Lebens in den Himmel werfen.
Wie ein Straßenmaler der Vergänglichkeit Bilder neuen Lebens geben.
Wie eine Trapezkünstlerin die Arme ausstrecken und sich fangen lassen.
(Regina Hagmann)
Wer der kostenfreien Liebe Gottes vertraut und sie in sich spürt,
vermag nicht nur zu überleben, sondern wahrhaft zu leben.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Es segne und beschütze uns alle der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

